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  Wölfe raufen sich zusammen
09.05.2010 von Silke

Norderstedt, Mai 2010 – Das Wolves-Presseteam hatte Gelegenheit, sich mit dem Chef der Nordic Wolves Norderstedt, Carsten Meyer-Mumm, über die aktuelle Situation im Herrenbereich zu unterhalten.

Wolves: Carsten, vielen Dank dafür das Du uns die Gelegenheit gibst, einige Hintergrundinformationen zum Rückzug der Herrenmannschaft der Nordic Wolves zu erfahren.

CMM: Sehr gerne, es wurde in den letzten Tagen ja schon viel spekuliert.

Wolves: Wie hast du davon erfahren bzw. wie seid Ihr zu dieser Entscheidung gekommen?

CMM: Die Gründe für den Rückzug sind aus meiner Sicht vielschichtiger – ohne es vorweg zu nehmen, ich finde es falsch einzelne Personen dafür verantwortlich zu machen.

Wolves: Was bedeutet das genau?

CMM: Wenn man die letzten 12 Monate mal zu Grunde legt, begann das Problem bereits in der letzen Saison. Ich will nicht verhehlen, dass es zum Ende der Saison 2009 zu unterschiedlichen Ansichten zwischen den damaligen Trainern und der Abteilungsleitung kam. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass wir die damaligen Trainer nicht entlassen haben, sondern es keine gemeinsame Gesprächsbasis gab die einen Konsens zur Folge gehabt hätte. Somit hatten wir Ende der letzten Saison ein Szenario, dass sowohl die komplette Trainercrew neu besetzt werden musste und aufgrund des unbestrittenen sportlichen Erfolges die Spieler vermehrt neue Herausforderungen in höherklassigen Ligen suchten. An sich im Football nichts ungewöhnliches, gestaltete sich die Trainersuche schwieriger als anfänglich gedacht. Zusätzlich erschwert wurde dies dadurch, dass Spieler ein Bleiben bei den Wolves mit dem Vorhandensein von Positioncoaches verknüpften. Die Erwartungshaltungen waren insgesamt sehr hoch. So kam es, dass wir insgesamt an die 13 Spieler abgeben mussten, die Starter waren und in dieser Stärke nicht adäquat ersetzt werden konnten.

Wolves: Also ergab sich die Grundlage der jetzigen Situation schon deutlich früher und nur eine langfristige Entwicklung hat zum Rückzug geführt. War das alles?

CMM: Natürlich nicht. Dadurch das sich unsere Jugend noch mitten im Aufbau befindet, kam auch aus der eigenen Nachwuchsarbeit noch kein Personal zur Unterstützung ins Herrenteam.

Wolves: Wäre es dann nicht sinnvoller gewesen, bereits im Winter in Anbetracht der Personal- und Trainerlage in einer anderen, niedrigeren Liga zu melden oder sogar ganz zu verzichten?

CMM: Diese Diskussion haben wir auch mit den Trainern geführt. Uns war relativ früh in der Vorbereitung klar, dass wir in der Regionalliga mit Gegnern wie den Hamburg Huskies, Hamburg Blue Devils und den Kiel Hurricanes II eine sehr schwere Vorrunde spielen würden. Unser primäres Ziel in dieser Regionalliga galt immer dem Klassenerhalt. Sicherlich wäre im nachhinein betrachtet eine Meldung in einer niedrigeren Klasse sinnvoller gewesen. Aber: sowohl den Trainern als auch dem Vorstand war klar, dass die Hälfte des Kaders – die aus der erfolgreichen Vorsaison verblieben waren – niemals komplett diese Entscheidung mitgetragen hätte. Somit hätten wir auch in dieser Konstellation damit zu kämpfen gehabt, ein spielfähiges Team auf die Beine zu stellen.

Wolves: Wie passt dazu dann die Verpflichtung eines amerikanischen Spielers?

CMM: Ich möchte betonen, dass wir in Abstimmung mit dem Trainerstab seinerzeit die Entscheidung für einen amerikanischen Quarterback aus 2 Gründen gefällt haben: zum einen um damit den Klassenerhalt zu sichern und zum anderen, weil wir keinen reinen Spielmacher in den eigenen Reihen hatten. Das wir mit Paul Roberts für meine Begriffe den besten QB der aktuellen Regionalliga bekommen haben, war Glück und der Verdienst von 4 Personen, die sich über das normale Maß hinaus ins Zeug gelegt haben, Paul zu den Wolves zu holen. Dabei sei noch angemerkt, dass wir den Gesamteinsatz aller Beteiligten sehr honorieren.

Wolves: Dennoch ist er schon nach einem Spiel zu einem Ligakonkurrenten gewechselt. Wie kam es dazu?

CMM: Mit dieser Frage kommen wir zu einem weiteren Problem mit dem die Wolves schon seit einiger Zeit zu kämpfen haben – was auch einer der Gründe für den Rückzug der Mannschaft bedeutete: ein amerikanischer Footballspieler ist optimale sportliche Bedingungen gewöhnt. Damit sind nicht nur das Equipment und die Rahmenbedingungen gemeint, sondern auch die Erwartungshaltung, das zum Training das komplette Team anwesend ist. Auch wenn unser Kader zwischen 35 und 45 Spielern aufwies, lag die durchschnittliche Trainingsbeteiligung teilweise bei unter 20 Spielern. Dies sind Rahmenbedingungen, die für einen Halbprofi inakzeptabel und frustrierend sind. Für uns Verantwortliche zeichnete sich der Weggang von Paul schon vor etwa 2 Wochen ab. Auch ein Appell an die Mannschaft – gerade nach der hohen Niederlage gegen die Huskies – vollzählig oder bestmöglich zum Training zu kommen, blieb erfolglos. Uns ist bewusst, dass es auch berufliche und private Verpflichtungen eines jeden gibt, aber so kann man als Team nicht reagieren.

Wolves: Trotz Wechselsperre hat er also einen Wechsel in Kauf genommen?

CMM: Paul wollte einfach spielen und deswegen haben wir seine Entscheidung akzeptiert. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen habe ich noch vergangenen Montag die Freigabe für Paul Roberts erteilt.

Wolves: All das hat dann aber doch noch nicht zum Rückzug geführt. Was passierte noch?

CMM: Als am Mittwoch wieder nur 19 Spieler beim Training waren – davon 3 Rookies – haben die Trainer offen über die Situation mit den Spielern gesprochen. Fakt ist, dass wir neben der oben bereits erwähnten Probleme dieses Jahr sowohl in der Vorbereitung als auch beim ersten Spiel mit Verletzungspech zu kämpfen hatten. Ich spreche hier nicht von Zerrungen, sondern bspw. von Achillessehnenriss, Schlüsselbeinbruch und Kreuzbandrissen, was weitere erfahrene Spieler längerfristig aus dem Kader geworfen hat. Wir hätten am Samstag beim Spiel gegen Kiel nur mit Mühe und Not die Mindeststärke von 25 Mann aufbringen können und hätten dann unerfahrene Rookies gezwungenermaßen auf das Feld schicken müssen. Diese hohe Verantwortung für die Gesundheit der Spieler konnten und wollten weder die Trainer, die Spieler oder der Vorstand tragen.

Wolves: Was heißt der Rückzug für dich persönlich?

CMM: Als ich vor 4 Jahren zu den Wolves kam, gab es in der Footballsparte viel zu tun – die letzten Jahre haben wir gemeinsam damit verbracht, die alten Zöpfe abzuschneiden und die Strukturen in der Sparte Football und Cheerleading zu erneuern. Somit sind vier harte Jahre durch den Rückzug zwar nicht pauschal wertlos, aber wir müssen dennoch wieder sportlich bei Null anfangen.

Wolves: Das bedeutet, du wirst dich um den Neuaufbau kümmern?

CMM: Ich sehe das so: wenn ich nun ebenfalls gegangen wäre, wären die letzten Jahre in der Tat für mich persönlich verloren. Auch wenn es momentan noch ein wenig schwer fällt, sehe ich diesen Neuanfang auch als eine Chance. Unsere Jugend entwickelt sich prima und mein erklärtes Ziel ist es, nächstes Jahr mit einem neuen Team im Herrenbereich wieder an den Start zu gehen. Es wäre fatal, den Standort Norderstedt inkl. der optimalen Trainingsbedingungen beim SVF aufzugeben. Dies gilt es auch in der Zukunft zu nutzen. Hier steht sowohl der Verein als auch die Stadt voll hinter der Sportart, im Gegensatz zu Hamburg.

Wolves: Geht es also sofort wieder los?

CMM: Ganz so einfach ist es sicherlich nicht. Die Jugend spielt normal weiter, genauso bleiben alle Cheerleadingteams erhalten. Im Herrenbereich machen wir den Mai über erst mal Pause und analysieren das Scheitern und die daraus abzuleitenden Maßnahmen. Ich kann versichern, dass ich schon jetzt – so kurz nach dem Rückzug – diverse Ideen im Kopf habe. Mein Ziel ist es, dass jeder Norderstedter nicht drum herum kommt, sich mit den Wolves zu beschäftigen. Ganz wichtig ist mir in diesem Zusammenhang, dass wieder mehr Norderstedter aktiv in der Mannschaft mitspielen. Die regionale Identität muß gestärkt werden.

Wolves: Du blickst also nach vorne und es gibt keinen Groll über die Geschehnisse?

CMM: Nein, wir werden unsere Lehren daraus ziehen und im Grunde genommen wollen wir doch alle nur Football spielen und mit der regionalen Bevölkerung tolle Sportevents feiern.

Wolves: Vielen Dank für das Interview.


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